Fassadengerüste sind Hilfskonstruktionen, die als Arbeitsplattformen oder als Schutzeinrichtung dienen.

Von ihnen können Arbeiten an Bauwerken ausgeführt werden, an die man sonst gar nicht oder nur schwer herankommt.

Auswahl der Gerüste

Je nachdem welche Arbeiten auf dem Gerüst ausgeführt werden sollen, muss das Gerüst entsprechend ausgebildet sein.

Für die unterschiedlichsten Arbeiten auf dem Gerüst müssen die Lastklasse und Breitklasse angepasst werden. Dies gilt auch für die Abstände der einzelnen Gerüstständer.

Systemgerüste sind Gerüste aus vorgefertigten Bauteilen. Entspricht der Aufbau der Gerüste der Regelausführung nach einer allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung, können diese Gerüste ohne gesonderte Statik durch Fachpersonal aufgebaut werden. Treten aber Abweichungen zur Regelausführung auf, so ist eine gesonderte Statik erforderlich.

Gerüstmontage

Gerüste dürfen nur unter der ständigen Aufsicht einer fachkundigen Person und von fachlich geeigneten Beschäftigten montiert werden.

Dem Fachpersonal muss dafür eine Montageanweisung (Plan für Auf- und Abbau) vorliegen. Die Montageanweisung muss mindestens die folgenden Hinweise enthalten:

    • Aufbau- und Verwendungsanleitung des Herstellers/Regelausführung,
    • Ergänzende Detailangaben bei Abweichungen,
    • Festgelegte Maßnahmen zur sicheren Montage, z. B. Montagesicherheitsgeländer (MSG).

Beschädigte Gerüstbauteile dürfen nicht eingebaut werden. Diese würden sonst die Sicherheit aller Nutzer gefährden.

Solange das Gerüst noch nicht komplett fertig montiert und vom Fachpersonal geprüft wurde, darf das Gerüst nicht durch Dritte genutzt werden. Dafür wird gut sichtbar das Verbotszeichen „Zutritt verboten“ angebracht.

Erst nach fertiger Montage wird das Gerüst durch das Fachpersonal geprüft und für die Nutzung Dritter freigeben. Die Prüfung darf nur von einer befähigten Person vorgenommen werden. Die Dokumentation für die Überprüfung erfolgt in einem sogenannten „Übergabe- und Prüfprotokoll“.

Verankerung – für den sicheren Halt

Gerüste müssen gegen Umfallen gesichert werden. Dies erfolgt entweder über Abstützungen des Gerüstes (sogenannte freistehende Gerüste). Im Normalfall werden die Gerüste aber am Bauwerk verankert.

Die Anzahl und Abstände der Verankerung sind den Vorgaben der Aufbau- und Verwendungsanleitung des jeweiligen Gerüstherstellers oder der Statik zu entnehmen.

Damit auch die Ersteller des Gerüstes sicher ihre Arbeit durchführen können, muss die Verankerung fortlaufend mit dem Aufbau an tragfähigen Bauteilen erfolgen.

Die Verankerungen sollten dabei möglichst nahe an den Gerüstknotenpunkten angebracht werden.

Aufstiege – der sichere Weg nach oben

Um sicher auf dem Gerüst nach oben zu gelangen, werden Aufstiege bzw. Zugänge benötigt. Dazu eignen sich z. B. Treppen, Leitern oder Aufzüge. Dabei sollte mindestens aller 50 m ein Zugang zum Gerüst vorhanden sein.

Sollen über das Gerüst größere Materialmengen transportiert werden, oder wenn das Gerüst mehr als 10 m hoch ist, so sind Treppentürme als Aufstiege einzubauen.

Sicherheit in jeder Lage

Damit Gerüstnutzer sicher und unfallfrei arbeiten können, müssen gewisse Sicherheitsaspekte beachtet und umgesetzt sein, z. B.:

  • Jede Gerüstlage muss einen voll ausgelegten Gerüstbelag haben (auch um die Ecken)
  • Gerüstbeläge dürfen nicht verrutschen
  • Der Abstand zwischen dem Gerüstbelag und dem Bauwerk darf nicht mehr als 30 cm betragen
  • An den Außen- und Stirnseiten ist ein dreiteiliger Seitenschutz anzubringen

Wer darf was?

Einzig und allein der Gerüstersteller ist für den sicheren Auf- und Abbau des Gerüstes verantwortlich. Nach der Gerüstübergabe ist der Gerüstbenutzer (Mieter des Gerüstes) für den Erhalt und die sichere Verwendung verantwortlich.

Müssen während des Baufortschritts Änderungen am Gerüst vorgenommen werden, z. B. Entfernen von Seitenschutz oder Verankerungen), so darf dies nur vom Gerüstersteller gemacht werden.

Die Gerüste dürfen nur entsprechend der Gerüstkennzeichnung genutzt werden. Es ist darauf zu achten, dass die Lasten nicht überschritten werden und dass ausreichend Platz zum Gehen über das Gerüst bleibt.

Wenn ein Aufzug, Schuttrutschen oder Ähnliches ans Gerüst angebracht werden soll, so ist dies unbedingt mit dem Gerüstersteller im Vorfeld abzusprechen. Nur so kann die Sicherheit auch gewährleistet werden.