Der Zollstock hat Konkurrenz bekommen, mit Maßband, Ultraschall- und Laserentfernungsmessern. Doch weder Hobby-Handwerker noch Profis im Bauhandwerk oder Gerüstbau scheinen auf ihn verzichten zu wollen. Seit mehr als 130 Jahren liefert er präzise Messungen, wo immer er zur Hand ist. Grund genug um zu hinterfragen, ober er nur liebgewordene Nostalgie oder ein zeitgemäßes Messinstrument ist?

Geschichte des Zollstocks – Vom Zoll zur Pariser Weltausstellung 1889

Lange vor dem Pariser Urmeter waren die Elle und der Fuß die gebräuchlichen Messgrößen im Handel und im Bauhandwerk. Seit dem Mittelalter wurde in weiten Teilen Deutschlands der zwölfte Teil eines Fußes als Zoll angegeben. Ein Zollstock war daher schlicht ein Stab zum Messen. Die ersten klappbaren Maßstäbe sind aus der Römerzeit überliefert und bestanden aus Bronze, Messing oder Holz.

Zum universell einsetzbaren Werkzeug in Hobby, Gerüstbau und Bauhandwerk wurde der Zollstock jedoch erst durch die Erfindung des schlanken Federgelenkes. Diese Erfindung erlaubte die vielfache Faltung des Messinstruments. Dreißig Jahre tüftelten die Brüder Franz und Anton Ullrich daran, bis sie 1886 ihre „Neuerung an Gelenkmaßstäben mit Federsperrung“ zum Patent anmeldeten. Mit großem Erfolg stellten sie den damit produzierten Gliedermaßstab drei Jahre später auf der gleichen Weltausstellung in Paris aus, für die auch der Eiffelturm gebaut wurde.

Vergleich vom Zollstock mit anderen Messmethoden

Viele Messmethoden sind für einen spezifischen Zweck optimiert. Ein flexibles Maßband misst leicht den Umfang eines Baumes oder einer Taille. Moderne Laser- oder Ultraschallabstandsmesser eignen sich für die rasche und präzise Vermessung von Innenräumen und Flächen. Eine Smartphone-App genügt, wenn ein Hobby-Heimwerker prüft, ob ein Bild gerade hängt.

Für die im Bauhandwerk und dem Gerüstbau am häufigsten genutzten Strecken von einigen Dezimetern bis wenigen Metern bleibt der Zollstock jedoch weiterhin der Spitzenreiter. Alle anfallenden Messungen werden leicht und schnell von einem einzelnen Gerüstbauer durchgeführt, ohne einen Kollegen zum Ablesen oder Festhalten dazu holen zu müssen. Zollstöcke kommen ohne Strom oder Batterie aus und sind preiswert zu ersetzen.

Was einen guten Zollstock auszeichnet

Bei einem Zollstock kommt es auf eine gute Ablesbarkeit, ein leichtes Klappverhalten und eine gleichbleibende Maßhaltigkeit an. Die Ablesbarkeit ist bei den meisten Modellen durch eine schwarze Schrift auf weißem oder gelbem Hintergrund gewährleistet. Gute Scharniere sind für die leichte Klappbarkeit, das präzise Einrasten und eine gleichbleibende Messgenauigkeit verantwortlich. Leiern die Gliederverbindungen aus, wird der Zollstock zu locker und ist dann auch für den Hobby-Nutzer zu ungenau.

Als Material haben sich elastische, langfasrige Holzarten wie Birke oder Eiche bewährt. Hersteller hochwertiger Zollstöcke achten zusätzlich darauf, das die Fasern der Brettchen in Längsrichtung verlaufen. Holz ist formstabil, unempfindlich gegen Temperaturschwankungen und liefert im Bauhandwerk bei Sonne und Kälte ähnlich gute Ergebnisse. Zollstöcke aus Kunststoff sind dagegen unempfindlich gegen Feuchte und Nässe, solche aus Fiberglas wiederum besonders flexibel und korrosionsbeständig.

Fazit

Ein Zollstock ist immer einsatzbereit, ganz ohne Strom oder Batterien. Gut verarbeitet ist er ein treuer Begleiter über viele Jahre oder Jahrzehnte. Damit ist der beliebte Gliedermaßstab auch in Zeiten von Ultraschall- und Laserentfernungsmessern aus dem Alltag in Gerüstbau, Bauhandwerk und Hobby nicht wegzudenken.